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Eine Weihnachtsbetrachtung von Pastor Georg Späh
Geistlicher Beirat des Familienbundes der Katholiken im Bistum Essen

Dass man Weihnachten feiern kann ohne auch nur das Geringste von Gott, Jesus und Kirche zu halten, beweisen alle Jahre wieder und dies seit geraumer Zeit unzählige Zeitgenossen. Viel christliches Brauchtum um Weihnachten herum ist seines ursprünglichen Sinnes beraubt und vagabundiert heimatlos in der Fremde des Kommerzes und der jahresendzeitlichen Gefühlsseligkeit herum.
Ein Muslim gerät während der Weihnachtszeit zufällig in eine christliche Kirche mit geschmückten und beleuchteten Tannenbäumen: Na sowas, denkt er kopfschüttelnd, selbst die Christen haben jetzt schon Weihnachtsschmuck in ihren Kirchen!

Dass man allerdings auch Christ sein könnte ohne Weihnachten zu feiern, mag dagegen schon mehr verblüffen. Tatsächlich kam das Weihnachtsfest erst im vierten Jahrhundert auf, was nichts anderes heißt als dass die Christenheit drei Jahrhunderte kein Weihnachten gefeiert hat, - wohl aber Ostern und Pfingsten. Von der Geburt Jesu erzählen ja auch nur zwei von fünf Schriften des Neuen Testamentes, die das irdische Leben Jesu im Blick haben: nämlich das Matthäus- und das Lukasevangelium. Die Briefe des Apostels Paulus, das Markusevangelium und das Johannesevangelium geben darüber keine Auskunft. Dennoch ist seit dem vierten Jahrhundert die Weihnachtsgeschichte das am meisten dargestellte Motiv in der christlichen Kunst, - ungeachtet der Tatsache, dass sie in der Bibel nur einige wenige Seiten füllt.
Das, was über Jesus zu wissen für Christen notwendig ist, ist tatsächlich nicht in erster Linie die Vorgeschichte seiner Geburt, seine Geburt selbst und was in seiner Kindheit geschah. Wichtig für unseren Glauben ist, was Jesus gelehrt hat; dass er Kranke geheilt, Tote auferweckt hat und Sündern vergeben hat; dass er mit seinen Jüngern vor seinem Leiden das Mahl hielt und ihnen auftrug, dies immer wieder zu seinem Gedächtnis zu tun; dass er in Treue zu seinem Vater und seiner Botschaft Leiden und Tod am Kreuz auf sich nahm und als wahrer Gott und wahrer Mensch nicht im Tod blieb, sondern ins Leben an der Seite seines Vaters und des Hl. Geistes auferstand.

Gegen diese Wucht, die den Kern des christlichen Glaubens bildet, verblasst die Botschaft von Weihnachten sichtlich. Und doch würde dem Christentum ohne die Weihnachtsgeschichten des Matthäus- und Lukasevangeliums etwas fehlen, das durchaus auch nicht nebensächlich ist.  irgendwo sonst in den biblischen Schriften kommt Jesus uns so nahe, tritt er so in unsere irdische Wirklichkeit wie als Kind. Wenn Gott es wirklich ernst meinte mit seiner Menschwerdung, wenn es stimmt, dass Gott sich wirklich kompromisslos eingelassen hat auf diese Welt mit ihren Schönheiten und Abgründen, - dann konnte er das nur im vollem Sinne als Kind tun. Nur im Kindsein wird Gott durch und durch Mensch und lehrt dadurch die Menschen, wie sie vor Gott sein sollen: seine Kinder, die im letzten alles von ihm erwarten wie Kinder von ihren Müttern, ihren Vätern. Jesus als Kind: Jesus kommt nicht aus dem Nichts, sondern er hat eine konkrete Herkunft, wie sein im Matthäusevangelium überlieferter Stammbaum belegt. Er ist geboren und aufgewachsenen in einer ganz gewöhnlichen menschlichen Familie. Heute empfinden wir seine Familie übrigens als sehr viel normaler als die
Menschen früherer Zeiten sie eigentlich hätten empfinden müssen: eine Patchworkfamilie, wo der Vater nicht der Vater ist und die Mutter den Vater nicht nennen kann.
Alles das ist von einer natürlichen Menschlichkeit, einer vollkommen unpreziösen Alltäglichkeit, die schon von allem Anfang an zeigt, was Gott will: in der Menschwerdung seines Sohnes ganz einer von uns zu sein. Gott schert sich offenbar wenig darum, in bürgerlich geordneten Verhältnissen zu leben. Das macht nachdenklich; eine Nachdenklichkeit, die uns ohne die weihnachtlichen Kindheitsgeschichten gar nicht treffen würde.
Gewiss sind die farbenprächtigen Geschichten aus dem Matthäus- und Lukasevangelium keine Berichte in einem historischen Sinne. Sie sind vielmehr Glaubensaussagen; Glaubensaussagen, die das wirkliche Gottsein und Menschsein Jesu herausstellen wollen. Und zum Menschsein gehören Geburt und Kindheit und im Idealfall eine Familie, wie immer die aussieht. Ohne dass wir über sein Kindsein innerhalb einer Familie wissen würden bliebe Jesus immer ein wenig abgehoben und fremd.
Und was wäre, ohne dass wir in der Bibel hören und lesen könnten von der Geburt Jesu, einer der schönsten und hoffnungsvollsten Weihnachtssätze überhaupt, das Wort des Dichters Werner Bergengruen:

Von einem
neugeborenen Kinde,
mit dem ja jedesmal
ein Stück Welt von vorne beginnt,
geht etwas aus,
das jedes unverbildete
und unverhärtete Gemüt
zur Ergriffenheit stimmt
und es beglückt der Fülle
aller menschlichen Möglichkeiten
innewerden lässt.

In seinem neuen Kommentar geht der Geistlicher Beirat des Familienbundes der Katholiken im Bistum Essen, Pastor Georg Späh, auf den Gemeinsamen Kommunionempfang für konfessionsverschiedene Ehepaare ein:

Bei Elternabenden im Rahmen der Erstkommunionvorbereitung wird öfters die Frage gestellt, ob evangelische Partner in konfessionsverschiedenen Ehen kommunizieren dürfen. Dies ist bisher offiziell nicht erlaubt. Der Würzburger Kirchenrechtler Heribert Hallermann hat dazu in der theologischen Zeitschrift Herder Korrespondenz (Mai 2017, S.25 und 26) Stellung genommen. Ich stelle die wichtigsten Aussagen des Artikels vor. weiterlesen

 

 

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Buchcover: Ehe, Liebe und Sexualität im Christentum

Wer das Gruseln lernen will, muss sich nicht zwangsläufig Horrorfilme ansehen. Man kann auch das Buch von Arnold Angenendt, Ehe, Liebe und Sexualität im Christentum lesen. Da kann man genug ins Gruseln kommen und man bildet sich noch dabei.

Was der stets äußerst akribisch recherchierende Kirchengeschichtler in seinem von Fachleuten hoch gelobten Buch über gelebte und verdrängte Sexualität aus Vergangenheit und Gegenwart zusammengetragen hat, lässt einem zwischen Grauen und Ekel, Unverständnis und Entsetzen schwanken.

Angenendts großes Verdienst ist es, dass er mentalitäts- und sozialgeschichtliche Ansätze in die deutsche Geschichtsschreibung eingeführt hat. Diese Arbeitsweise prädestiniert ihn in besonderer Weise für ein solches Themenfeld. weiterlesen